Game of Stones - Paris Roubaix Challenge 2017

Vor einer Woche hat unserer Teamfahrer Daniel an der Paris Roubaix Challenge für Jedermänner teilgenommen und berichtet hier im Blog über seine Erfahrung:

Es gibt kein Rennen auf das ich mich mehr freue, als Paris-Roubaix. Auch wenn es für mich ja kein richtiges Rennen ist, vielleicht auch deswegen, den ganzen Druck den ich mir vor Rennen immer selber mache, den gibt es nicht. Die Paris-Roubaix Challenge ist eine bessere RTF, aber genau so teuer wie ein Rennen im GCC, das Event muss es einem schon wert sein, es gibt keine abgesperrten Straßen, aber Ordner die den Verkehr versuchen zu regeln, an Kreuzungen muss man fast nie stoppen.
 
Freitags macht sich unsere kleine Reisegruppe auf dem Weg nach Lille, wo wir unser Quartier beziehen werden. Unsere Gruppe umfasst meine Freundin Katrin, meinen alten Trainingskollegen Christian aus Jugendzeiten und seinen Vater Jürgen. Nach schwerer Krankheit bekam Christian, die Niere seines Vaters gespendet, letzte Saison konnte er Deutscher Meister und sogar Europameister auf der Strasse bei den Transplantierten werden. Wir 4 sind alle Mitglied beim RSV Euskirchen und somit gehen die 3 auch als RSV-Starter an den Start der 70km-Runde inkl. 8 Paves, mich erwarten auf den 145km 18 Paves. Ein Pave ist ein Abschnitt aus Kopfsteinpflaster, aber nicht das was man aus Deutschland kennt, auch das Kopfsteinpflaster welches man aus dem belgischen Flandern kennt, ist kein Vergleich, in der Hölle des Nordens ist das Kopfsteinpflaster einfach schlimmer, es ist der Inbegriff einer innigen Hassliebe.

Samstag-Morgen starten wir alle zusammen und finden sehr schnell eine große Gruppe aus über 20 Fahrern, vorwiegend aus Großbritannien. Mit der Gruppe geht es gemütlich dahin auf guten Straßen und nach knapp 25km kommen wir an den Punkt wo sich die beiden Routen trennen, ich wünsche den dreien viel Spass und nun geht die Reise für mich alleine weiter. Zunächst hoffe ich noch das sich einige aus der Gruppe mir anschließen, doch plötzlich bin ich ganz allein. Nach 31km komme ich an der ersten Verpflegung vorbei, die ich einfach so passiere, ich hoffe jetzt eine Gruppe zu erwischen und so ist es, hinter der nächsten Kurve seh ich 5 Mann und fahr an sie ran, sie fahren ein etwas seltsames ungleichmäßiges Tempo. Einen von ihnen fahren sie fast immer aus den Schuhen, dann wird es kurz langsamer, anschliessend geht es dann aber wieder schnell weiter. Bald kommt eine Gruppe Holländer von hinten und die Gruppen schliessen sich zusammen, so geht es mit einem angenehmen Tempo zu dem ersten Pave, dem Wald von Arenberg.
 
Letztes Jahr hab ich mich über das Pflaster gequält, ich hatte im Winter fast nix gemacht und war dann noch verletzt, ich hatte mir vorgenommen, das passiert dir nicht nochmal. Nach dem Trainingslager auf Mallorca und trotz einiger Krankheiten im Winter, merke ich aber schon auf den ersten Metern auf dem Pflaster, es hat sich gelohnt. Ich fahre am Anfang im Wald von Arenberg sehr schnell, mit über 40 geht es über das Pflaster, da er am Anfang etwas bergab geht kann ich das Tempo gut halten, dann fahr ich allerdings auf eine große Gruppe Fahrer auf und muss mir meinen Weg abseits der Ideallinie suchen, wenn es dort sowas gibt, mit einer Geschwindigkeit um die 25 geht es bis zum Ende des Paves.

Nach den folgenden Sektoren finde ich immer wieder gute Gruppen, die sich aber auf den Paves immer wieder verlieren. Bisher bin mit meinem Tempo auf dem Kopfsteinpflaster sehr zufrieden, obwohl man oft ausweichen muss. Ich hab das Gefühl ich könnte schneller fahren, aber es sind auch sehr viele Menschen unterwegs. Daher habe ich mir vorgenommen, einmal wieder zu kommen wenn nicht gerade ein paar Tausend Menschen hier unterwegs sind.
Ich komme zur 2. Verpflegung und frische meine Vorräte in den Trinkflaschen auf und geniesse das mittlerweile sehr warme Wetter bei einer kleinen Pause. Auf einem der folgenden Paves fahre ich auf eine große Gruppe MTB’s auf und schlängel mich an ihnen vorbei, nachdem Pave scheinen sie aber richtig Gas zu geben und fahren mit ihren knapp 25 Mann an mir vorbei, das Tempo der Jungs ist angenehm, auf dem Kopfsteinpflaster, sowie auf der Straße. Sie sind fit und auf den folgenden Paves sind sie immer mit knapp um die 30 unterwegs. Dann fällt mir aber auf, sie haben teilweise Elektromotoren an ihren MTB’s, es ist mir total unverständlich wieso man so eine Herausforderung mit einem MTB angeht, aber dann auch noch mit Elektroantrieb? 
 
Bis zum Carrefour de l’Abre fahren ich mit den Jungs,  das Tempo ist einfach angenehm und so lasse ich auch die letzte Verpflegung links liegen, weil die Gruppe geschlossen vorbei fährt. Ab dem Carrefour de l’Abre sind es nur noch 13km und ich muss mal meine Sattelstütze kontrollieren, sie rutscht immer tiefer, außerdem ist mein Flaschenhalter kurz vor dem abfallen, eine Schraube hat sich herraus geruckelt. Anschließend bringe ich allein die letzten Paves hinter mich, nun bin ich fast schon etwas traurig das es vorbei ist. Die Fahrt durch Roubaix ist etwas ärgerlich, da sehr viel Verkehr herrscht, die Einfahrt auf der Radrennbahn von Roubaix entschädigt dann aber für alle Qualen.
 
Im Ziel bekommt man eine Medaille und danach empfangen mich die anderen, Katrin hat meine Duschsachen mitgebracht und somit geht es schnell in die alten Duschen des Velodroms. Es ist ein Erlebnis, jede Duschbox trägt den Namen eines Gewinners des Rennen und man hat den Eindruck seit 100 Jahren waren alle Roubaix-Fahrer hier drin. Wir alle lieben das Rennen und schon jetzt steht fest, wir kommen wieder, spätestens nächstes Jahr im April, hoffentlich schon früher.
 
Das Wochenende wird dann am nächsten Tag noch dadurch abgerundet, dass wir die Profis im Wald von Arenberg sehen, anschließend geht es nach Haus und bei leckerem Sushi wird das aufgenommene Rennen geguckt. Ein perfektes Wochenende.