Ötztaler Radmarathon

 

Am vergangenen Wochenende war es soweit, in meiner erst zweiten Radsportsaison stand meine bisher größte Herausforderung auf dem Programm, der sagenumwobene Ötztaler Radmarathon, das angeblich härteste Rennen für Hobbyfahrer. Manche Stimmen behaupten sogar, es sei die inoffizielle Weltmeisterschaft der Jedermänner.

Wirklich geplant hatte ich diese Veranstaltung nicht, da mein Fokus dieses Jahr auf ganz anderen Rennen lag. Trotzdem hatte ich Anfang des Jahres an der Verlosung für einen Startplatz teilgenommen, mit dem Gedanken, dass ich beim ersten Versuch ohnehin keinen Startplatz bekommen werde. Da sich ca. 20.000 Radfahrer um einen Startplatz bewerben, die  Teilnehmerzahlaber auf 4.000 beschränkt ist, werden die Startplätze verlost. Erst wenn man dreimal nicht ausgelost wird, hat man Anspruch auf einen Startplatz. Dann kam die große Überraschung, mir wurde ein Startplatz zugeteilt. Weil es jedoch so garnicht in meine Planung passte, wollte ich den Platz an einen Freund abtreten. Das war aus rechtlichen Gründen leider nicht möglich. Also sah ich es als Schicksal an und entschied, selbst teilzunehmen.

Zeit um mich gezielt auf dieses Event vorzubereiten hatte ich kaum, aber was sollte schon schief gehen, schließlich hatte ich schon genügend Rennen bestritten und die Form stimmte. So ging es dann direkt von den Hamburg Cyclassics, einmal durch Deutschland in die Alpenrepublik nach Sölden. Hier entspannte ich mich ein paar Tage bevor es dann ab Donnerstag hieß: Speicher auffüllen mit Kohlenhydraten. In Zahlen heißt das: 700 g Kohlenhydrate am Tag (entspricht z. b. 5 kg Kartoffeln die erste harte Aufgabe. Mit prallgefüllten Speichern ging es dann am Sonntagmorgen um 5.00 Uhr in den Startblock. Ich wollte ja möglichst weit vorne stehen für die lange Abfahrt von Sölden nach Ötz, um dann gut positioniert in den ersten Anstieg, das Kühtai, zu kommen. Der Plan ging auf und ich kam mit gutem Vorsprung gegenüber meinem persönlichen Zeitplan auf der Passhöhe an. Dann ging es in die nicht wirklich anspruchsvolle Abfahrt, aber dafür mit genügend Highspeed, Richtung Innsbruck, 107 km/h, zeigte mein Tacho an. Nun war es wichtig, in einer möglichst großen Gruppe über den Brenner zu kommen um sich bestmöglich zu erholen und mit Nahrung versorgen zu können.

Am Fuße des Jaufenpass hatte ich immer noch 15 min Vorsprung gegenüber meiner Planung, die es jetzt galt bis zum Gipfel zu halten. Dies gelang mir optimal mit einer genau einstündigen Bergauffahrt. Dann ging es in die für mich schon anspruchsvollere Abfahrt Richtung St. Leonhardt, wo direkt im Anschluss der Scharfrichter, das Timmelsjoch, wartete, vor dem ich mehrfach von Radsport Kollegen gewarnt wurde.

Mit meinem immer noch 15 minütigen Vorsprung, konnte ich den ersten Abschnitt des insgesamt 31 km langen Anstiegs relativ entspannt in Angriff nehmen. Ich konnte meine Zeit bis ungefähr zur Hälfte, wo ein kurzes Flachstück warte, gut halten. Im zweiten Abschnitt sah die Welt plötzlich anders aus, in einer Höhe von 2.000 m angekommen, fiel es mir zunehmend schwer, die letzten 500 Höhenmeter zu bezwingen. Mein zeitlicher Vorsprung schmolz langsam dahin. Immer wieder versuchte ich alle Kräfte zu mobilisieren, was mir aber nicht mehr wirklich gelang. Inzwischen sagte ich mir: "nie wieder tue ich mir so etwas an!".

Nachdem ich dann, wie auch immer, die Passhöhe erreicht hatte, wartete in der Abfahrt nach Sölden nur noch ein kleiner Gegenanstieg, für den man normal nur ein Lächeln übrig hat.

Heute allerdings verlangten die 150 Höhenmeter mir alles ab und es fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Beim erlösenden Anblick der Mautstation und anschließendem Blick auf die Uhr realisierte ich, dass ich mit einer geschickten Abfahrt meine Zielzeit noch erreichen konnte. Und so kam ich nach  7 Stunden und 47 Minuten, sogar 3 min vor meiner gesetzten Zeit, ins Ziel. Der Empfang in Sölden war sehr beeindruckend. Alle ins Ziel kommende Fahrer, die die Strecke in welcher Zeit auch immer, bewältigten, wurde gleichermaßen gefeiert. Die Qualen waren schnell vergessen und mir wurde klar:

 

Ich komme wieder.

 

Ergebnisse:

 

99. Jochen Wallenborn

305. Marcel Hartmann

379. Herbert Schwaninger

592. Florian Klee

2238. Udo Schmitz

3692. Burkhard Kerst