Tannheimer Tal Radmarathon

Bericht von Katja Krägenbring


Sonntag Morgen 4:30 Uhr - der Wecker klingelt und ich versuche verschlafen, das penetrante Klingeln zu ignorieren. Viel zu früh, um sich auf ein Radrennen vorzubereiten und zu frühstücken. Nach einem kohlenhydratreichen Frühstück wird die restliche wärmende Radbekleidung angezogen und es geht von Oberstdorf auf in Richtung Tannheimer Tal. 

2,5 Stunden später ist es dann soweit. Der Startschuss zur 10. Auflage des Tannheimer Radmarathons fällt. Mit mir starten auf der 130 km Strecke noch weitere 700 Fahrer und Fahrerinnen. Mittlerweile haben sich die grauen Wolken und der Nebel verzogen und die morgendliche Sonne scheint wärmend auf uns hinunter. Die Stimmung der Zuschauer ist fröhlich und euphorisch. Unter jubelnden Rufen fahren wir vom Start durch das kleine Städtchen hinaus auf die erste größere Landstraße. 

Von Tannheim über Pfronten nach Lechaschau geht es erst einmal ziemlich flach und teilweise bergab bis Vorderhornbach. Ich befinde mich in einer schnellen Gruppe, die auf der Geraden ordentlich aufs Pedal drückt und Tempo macht. Bei Kilometer 54 werden dann das erste Mal etwas Höhenmeter gesammelt. Nach weiteren 24 Kilometern gibt es eine Kehrtwende und bis Kilometer 98 geht es auf derselben Straße wieder zurück. Immer wieder kommen uns weitere Radgruppen entgegen, die unsere bereits absolvierten Kilometer noch vor sich haben. Nun habe ich verstanden, weshalb das Rennen bereits morgens um 07:00 Uhr begonnen hat. Immer mehr Autofahrer und vor allem auch Motorradfahrer stoßen auf die einzelnen Radgruppen. Dennoch fahren beide Seiten sehr rücksichtsvoll, sodass das Rennradfahren im fließenden Verkehr kein Problem darstellt. 
Nun ist der Streckenverlauf wieder flach und ein Teil unserer Gruppe beginnt zu kreiseln. Auch ich fahre immer wieder vorne und so langsam machen sich die Kilometer in den Beiden bemerkbar. Das Tempo ist sehr konstant und die Zeit vergeht wie im
Flug. Auf einmal sind wir am letzten längeren Anstieg in Weißenbach angekommen und die Gruppe splittet sich. Einige Fahrer können das Tempo am Berg nicht mithalten und das Loch hinter mir wird immer größer. Allerdings wird auch das Loch zu meinen Vordermännern größer, sodass ich versuche an einem Fahrer kurz vor mir dranzubleiben. Ich schaffe es und kann in der nachfolgenden Abfahrt noch etwas Windschatten nutzen um meine Beine zu schonen. 
Danach sind es noch knapp 11 Kilometer bis ins Ziel. Ich hangele mich von Fahrer zu Fahrer und erreiche 6 Kilometer vor Ziel jemanden, der richtig Tempo macht. Ich kämpfe um an seinem Hinterrad bleiben zu können und wir erreichen nach weiteren anstrengenden letzten Kilometern zu zweit das Ziel. 

Nach 133 Kilometern und knapp 930 Höhenmetern ist es dann geschafft. Ich fahre voller Adrenalin und von den Zuschauern angefeuert über die Ziellinie. Im Hintergrund nehme ich wahr, dass der Sprecher meinen Namen nennt und verkündet, dass ich als dritte Frau ins Ziel gekommen sei. 3. Platz gesamt bei den Frauen. Jetzt überkommen mich noch mehr Glücksgefühle und ich werde freudestrahlend von Freunden und Radkollegen in Empfang genommen. 

Anschließend stärke ich mich an der großzügigen Verpflegungsstation. Mein erster Radmarathon ist erfolgreich beendet und ich bin sicher, dass es nicht der Letzte gewesen sein wird. Die hervorragende Organisation, die Stimmung und die imposante Umgebung haben mir einfach zu gut gefallen.