Rad am Ring GCC 150 km

 

Report from Anthony Spysschart:

 

I had big expectations for this year Rad am Ring. I was pushing my biggest watts ever in Belgian races and also having my best results! Last year I was 3th in Rad am Ring and 5 years ago I won this beautiful race.

The first 4 Rounds the tempo on the hohe acht was ok. Only pushing +-5W/kg. I was relaxed and not breathing to much. Also Karsten Klein was giving me a very good impression. On the 5th climb it was over. Only pushing 300watts with no reason. Struggling through the course. My deception was big during and after the race. But hey, everybody can have a bad day. I Will come back stronger!

 

 

Bericht von Karsten Klein:

 

Die Vorzeichen für Rad am Ring, dem fünften GCC-Rennen des Jahres, standen eigentlich mehr schlecht als recht, musste ich doch in Schleiz die Spitze am letzten Anstieg hilflos ziehen lassen und kam dort „nur“ auf Rang 11. Zudem kannte ich den Nürburgring nur vom Hörensagen und in der Digitalversion auf der Xbox und machte mir so mit meinen eher robusten 75Kg ernsthaft Sorgen auch nur ansatzweise über 3000 Höhenmeter konkurrenzfähig zu sein. 

Für Ego und Selbstvertrauen packte ich also am Samstagmorgen mein Sonntagsrad mit gut einem Kilo weniger teurem Plastik um die Hüften in den Kofferraum und machte mich auf den Weg zur Nordschleife. Unterwegs schon nasse Straßen aber immerhin angenehme 20 Grad, eine Erleichterung gegenüber den 35 Grad der Vortage. Schon vor der Startnummernausgabe auf dem Parkplatz die erste Feststellung: Teamkollegen wie Konkurrenz trauen mir mehr zu als ich mir selbst. Schöne neue Welt: Meine Strava Daten wurden seziert und analysiert, kein KOM blieb unbemerkt, ich habe das Gefühl, dass andere mich besser kennen als ich mich selbst. Ich zweifele dennoch, die nüchternen Fakten der hohen Acht sind schon eine Ansage und lösen mehr als Respekt aus.

 

Beim Warmfahren lerne ich immerhin schon einmal die Grand Prix Strecke kennen, nach drei Runden gehts und die Startaufstellung, die Gesichter alle bekannt, die Ergebnisse aus Schleiz und der Erzgebirgsrundfahrt in der Vorwoche ebenfalls. 12:30 Uhr Start. Zügig geht es los über die Grand Prix Strecke raus auf die Nordschleife. Ab hier ist alles neu für mich. Zwei drei Wellen und es geht in die lange und schnelle Abfahrt. Trockene Straßen, weite, für GT1 Sportwagen ausgelegte Kurven, als ex Rundstreckler alles kein Problem, Eine Senke, ein kurzer Stich, es wird flacher und am Rand steht ein Schild: „ab jetzt gehts bergauf“. Jetzt scheint also die hohe Acht zu kommen, 12 Minuten knapp über Schwelle und am Ende die berüchtigten 18% Steigung. Das Tempo ist hoch, aber zunächst mal nicht mörderisch. Ich fahre mehr oder weniger entspannt in den Top Ten den Anstieg hinauf, niemand, macht Anstalten zu attackieren, wäre auch nicht sinnvoll da deutlich zu früh im Rennen. Nach einem kurzen Flachstück wird es steiler und plötzlich sehe ich oben einen Bogen über der Strecke stehen. Ist das etwa das Ende? Das Schnaufen im Umfeld wird lauter, die Fahrer vor mir stampfen deutlich angestrengter Richtung Bogen, ich habe noch 2 Ritzel Luft, schalte beide durch und kurbele unter dem Bogen hindurch… bergab. Das war sie also, die legendäre hohe Acht. Die Schilderungen über den Anstieg waren schlimmer als das Gefühl in den Beinen jetzt vermittelte. Mein Selbstvertrauen steigt an, obwohl ich weiß, dass der Weg noch weit ist. Der Rest von Runde eins wird mehr oder weniger gebummelt, auf dem Weg zurück zu Start-Ziel ist ordentlich Gegenwind und keiner will jetzt schon Kräfte verpulvern.

 

Anfang der zweiten Runde setzte kurzer Regen mit Tropfen im XXL-Format ein. Die Strecke war teils feucht, teils trocken, schlecht zu kalkulieren. Alle fahren wie auf rohen Eiern die Abfahrt hinunter, dennoch rutscht. Florian Vrecko von Strasscker in einer langen Rechtskurve unvermittelt das Rad weg. Er rappelt sich beeindruckend schnell wieder auf, kein andere Fahrer kommt zu Fall aber alle fahren noch eine Spur langsame die Abfahrt weiter. Der Rest der Runde verläuft im Grunde ereignislos, alles bleibt zusammen, aber alle sind wachsam.

 

Runde drei verläuft im Großen und Ganzen ähnlich wie die erste Runde,  zügiges Tempo, aber niemand will sich wirklich weh tun. Jochen meldet sich schon bei mir, das er nicht weiß ob er Runde 4 noch überleben wird, während Anthony noch gut aussieht. Ein Podiumsplatz für ihn ist heute erklärtes Ziel, dafür gilt es zu arbeiten.

 

Bei der vierten Auffahrt zu hohen Acht wird eine deutlich härter Gangart angeschlagen. Strassacker macht direkt ab Verpflegung ordentlich Druck. Ich reihe mich direkt an Position 2 ein, falls weiter hinten die ersten Lücken aufreißen sollten. Ab  dem Steilstück übernimmt Florian Vrecko das Tempo, mit zerrissener Hose und geschundenem Hintern. Ein harter Hund der Kerl, mit so einer Konkurrenz macht unser Sport Spaß, denke ich mir. Als zweiter Beiße ich mich über die Bergwertung, das hat weh getan, die Wirkung der Aktion auf das Feld war deutlich, vielleicht vierzig Fahrer sind jetzt noch dabei. Auf der Geraden fahre ich rechts aus dem Feld und sehe nach dem Rechten. Viel Celeste, etwas Weiß-Blau, ein paar Fahrer Leeze und buntes Allerlei. Jochen und Anthony sehe ich im hinteren drittel der Gruppe. Ich bin beruhigt und guter Dinge, alles noch im Plan.

 

Zur Einfahrt in die fünfte Runde geht plötzlich die Post ab, Bei Einfahrt auf die Zielgerade attackiert Strassacker zu zweit mit einem Belgier in Rot am Hinterrad. Zunächst mache ich mir keine Sorgen und verdrücke erst mein Gel.

Von Position 15 sehe ich das erst BKK, dann Anthony versuchen die Lücke zu schließen aber nicht näher kommen. Verdammt, das könnte brisant werden. Ich schluckte das klebrige Dings im Mund hinunter, spüle kurz mit Wasser nach und mache mich auf den Weg nach vorne. Ich fahre an Anthony vorbei und drehe sofort den Motor auf, in der Absicht das Feld an die drei vorne heranzuführen. Bei der Ausfahrt auf die Nordschleife blicke ich zurück und sehe… niemanden mehr der zu meinem Rennen gehört. F**k, so war das nicht geplant. Ein kurzes Hineinhorchen in Beine und Lunge, kein Blutgeschmack im Mund, kein Brennen in den Oberschenkeln, also nicht groß nachdenken und weiterfahren. Nach drei, vier Wellen bergauf bin ich an den Dreien dran, rechtzeitig zur Abfahrt. Dahinter erst mal nichts zu sehen. In der Abfahrt bleibt keine Zeit zum Umschauen also bin ich mehr als überrascht als beim Einstieg in die hohe Acht Tom Walter mit ordentlich Zaster an mir vorbei brettert. Toll, alles umsonst, die Gruppe ist wieder dran. Habe ich mich jetzt verzockt und überzogen? Das Tempo ist wieder hoch, Strassacker macht weiter mächtig Druck. Im Flachstück wird das Tempo etwas raus genommen. Wie es hinter mir aussieht weiß ich zu dem Zeitpunkt nicht. Ich denke mir aber: bevor jetzt jemand auf eine ganz blöde Idee kommt über das Steilstück zu attackieren und ich nicht folgen kann, lieber selbst die Schmerzgrenze ausfahren und den anderen erst mal den Zahn ziehen. Kurz vor der Bergwertung steht Micha M. und ruft: durchziehen!

Durchziehen? Wieso denn das jetzt? Ich blicke mich um. Zwanzig Meter Lücke hinter mir, dann 10-15 Mann, dann nichts mehr. Deshalb also durchziehen. Die Gruppe arbeitet wirklich zusammen. Zum ersten Mal im Rennen wird auf dem langen Gegenwindstück gekreiselt, alle machen mit. 3 Mann Strassacker, 3 Mann BKK, dabei Valentin, Markus Werner und Christina Kreuchler die im Erzgebirge dominiert haben. Dazu ein Belgier im schwarzen Trikot und ein paar weitere Fahrer. Die Gruppe stand. Ich war der letzte noch verbliebene DKSler, verdammt!

 

Dann die letzte Auffahrt zu hohen Acht, die absehbare Entscheidung. Bereits unten verschärft der Mann in schwarz das Tempo. Florian Vrecko geht direkt mit, drei weitere Fahrer ebenfalls. Mein innerer, erhobener Zeigefinger sagt mir: lass es sein Jung, das ist der Moment in dem man seine Grenzen erkennen muss. Ich geh auf mein Wohlfühltempo, naja, was nach 130km Eifel eben so „Wohlfühlen“ heißt. Nach und nach sammele ich die anderen wieder ein. Die Situation ist wegen der vielen 24h Teilnehmer auf der Strecke sehr unübersichtlich. Florian sehe ich hin und wieder, das schwarze Trikot des Belgiers geht in der Masse der anderen 80% der Fahrer in schwarz einfach unter. An der Bergwertung ist endlich klar, die beiden sind außer Sichtweite, Platz 1 und 2 vergeben. Zu sechst geht es dann Richtung Zielgerade, Markus Werner und Christian Kreuchler ziehen den Sprint für Valentin an. Ich bin am Hinterrad von Christoph Mai, Strassacker. Der Sprint wird eröffnet, ich gehe rechts raus und muss recht schnell erkennen: das wird nix. Ich bin gegen den Wind exakt so schnell wie Christoph, kein Vorbeikommen, links geht Valentin an ihm vorbei und wird verdient dritter, mir bleibt Rang fünf. Etwa 2 Sekunden bin ich enttäuscht, aber dann kommt es durch: hey, ich bin gerade fünfter bei Rad am Ring geworden, gegen eine unglaubliche Konkurrenz die alle Rennen der letzten Zeit dominiert haben! Freude kommt auf. Florian Vrecko kommt mir entgegen, gerade mit Platz 2 belohnt, und das nach dem Sturz am Anfang, was für ein Teufelskerl. Gewonnen hat Matthias van den Bergh aus Belgien, und das absolut verdient.

 

Was bleibt ist die Erinnerung an ein schönes Rennen und die Erkenntnis das die Konkurrenz einen manchmal besser kennt und einschätzen kann als man vermuten mag.