DKS bei der EXPO-Life in Kassel

Bericht von Oliver Sitterich:

 

Ende letzten Jahres wurde ich via Instagram von einem Mitarbeiter von APT – Prothesen – einem der renommiertesten deutschen Prothesenbauern u.a. auch für den Leistungssportbereich – angeschrieben, ob ich Interesse hätte, als Demonstrator auf einer Messe für einen guten Zweck in die Pedale zu treten. Natürlich hatte ich die.

Mitte Februar 2019 war dann organisatorisch alles in trocknen Tüchern. Auftrag war mit zwei anderen prothesetragenden Sportlern in den drei Tagen der Fachmesse auf Spinning-Bikes 1.000km zusammenzuradeln. Die namhaften Sponsoren „Össur“, „Endolite“, „Otto-Bock“, „Teufel International“ sowie „CeKoon-Prothesencovers“ stellten insgesamt 7.000€ zur Verfügung, welche jeweils zur Hälfte an das Balthasar Kinderhospiz in Olpe und eine Selbsthilfegruppe für besonders schwer betroffene Schmerzpatienten CRPS gespendet werden sollen.
Am 27.3 ging es für mich erstmal von Dresden aus nach Leipzig um mich dort für ein Zeitungs-Interview für  eins der größeren Rennradmagazine mit einer Journalistin zu unterhalten.
In Kassel angekommen wurde ich freundlicherweise von einem der APT-Mitarbeiter abgeholt und zusammen fuhren wir zur Messe, den Stand fertig aufzubauen und schonmal bisschen Messe-Flair einzufangen.
Schon nach den ersten Minuten und Stunden wurde klar: Wir werden viel zu lachen haben und die Messe versprach amüsant zu werden. Am Abend lernte ich noch einen der andern Sportler, Maximillian kennen, ein beidseitig unterschenkelamputierter Multi-Sportler, der nicht nur (Halb-)Marathons absolviert, sondern auch aktiver Surfer ist. Soll mal einer erzählen, ohne Füße wäre das Sportlerleben zu Ende.

Der erste Tag begann mit einem ordentlichen Frühstück am Hotel-Büffet und wie wir Rennradler alle wissen: Kalorien bunkern bis zum Zäpfchen hoch!
Nach einer kleinen Besprechung mit allen APT-Messe-Mitarbeitern und dem mittlerweile dazugekommenen 3. Fahrer Ronny, starteten die zwei anderen Verrückten die ersten Kilometern auf den Spinning-Bikes von Tomahawk, die uns von PK Fit zur Verfügung gestellt wurden. Ein besonderes Gimmick hatte sich APT noch einfallen lassen: Da Ich bei dieser Messe  auch für die DKS unterwegs war und Ronny für die Gesellschaft für Muskelerkrankung, wurde zusätzlich noch ein kleines Spar-Einhorn am Stand von APT angepflöckert, auf das möglichst viele Messebesucher noch Ihr ganz persönlichen Beitrag zum guten Zweck beitragen mögen. Zusätzlich zu den Fachgesprächen am Stand wurden die Besucher animiert, gegen einen von uns drei Fahrern auf dem Spinning-Bike anzutreten. Wir fahren 2km und der Gast brauchte nur einen Kilometer zu treten. Zu gewinnen gab es einen riesengroßen Bildband der Paralympics von 2016.
Der erste Tag brachte schon richtig gut Kilometer auf das Tacho und die Spendenuhr. Zu den 130km von Ronny, Maxi´s und meinen 110km kamen nochmal 15km der Messebesucher hinzu. Und einige Bildbände wechselten den Besitzer. Alles in allem ein überaus gelungener erster Messetag und wir wussten schon beim gemeinsamen Abendessen: Der Tag morgen wird hart. Nicht nur wegen den eher suboptimalen Sätteln der Bikes. Aber wer wird sich schon beschweren, wenn es um einen guten Zweck geht.

Tag 2 bedeutete vor allem eins: Nicht über-pacen und trotzdem alles geben. Unübertroffen war der Freitag der besucherstärkste Tag, was wir auf unseren Bikes natürlich auch zu spüren bekamen. Es gab deutlich mehr Motivator/inn/en und Anfeurungen, ebenso aber auch deutlich mehr Gastfahrer, die nicht nur mich ordentlich ins Schwitzen brachten. Das Spendeneinhorn wurde zwischendurch immer wieder mit dem ein oder anderen Scheinchen „gefüttert“ und gegen Mittag stand die erste Scheckübergabe zugunsten des Kinderhospiz auf dem Plan.
Wenn ich mir eine persönliche Anmerkung erlauben darf, finde ich es schon traurig, dass derartige Institutionen von Spenden abhängig sind, während so manche staatliche Stelle die Millionen de facto mit Wäschkörben zum Fenster herauswirft.
Ich denke, die Kinder, Eltern und Mitarbeiter des Hospizes in Olpe werden sich sehr gefreut haben.

 

Abwechselnd mit Ronny und Maxi wurden bis zur zweiten Scheckübergabe an die Selbsthilfegruppe fleißig Kilometer gesammelt, gefachsimpelt, Kontakte gepflegt und die Familie der Prothesenträger durch weitere Mitglieder ergänzt. „Alte Bekannte“, welche man schon auf vergangenen Messen getroffen hatte, riefen das ein oder andere „Na Hallo!“ hervor.
Am zweiten Tag standen dann um 17:00 hervorragende 724km auf dem Spendenkilometerstand und drei schon ziemlich erschöpfte Spinning-Biker. 97km zusätzlich in meinem rechten Bein & linker Prothese , etliche 2-km-HIIT-Intervalle mit so manchem Messegast und die Kilometer vom Vortag machten sich allmählich bemerkbar. Nach einer ausgiebigen Dusche im Hotel ging es zurück zur Messe und der legendären Messe-Party. Eine vom Veranstalter für das Fachpublikum & Aussteller kostenfrei Party mit einer klasse Band „Eine Band Namens Wanda“, welche ordentlich Stimmung machte und so bis um  11 so manche Prothese nicht zur Ruhe kommen ließ.
Nichts desto trotz wussten Ronny und ich: Der Samstag wird richtig hart. 280km und Maxi nicht mehr da. Er musste leider wegen einer anderen Veranstaltung abreisen.

Frisch gestärkt vom Frühstück und mehr oder weniger ausgeschlafen starteten wir am Samstag wieder um 10 auf den Bikes und erhielten alsbald unerwartete Unterstützung. Lars, fast ein Profi im „KrückenFussball“ kam zu uns und trat einbeinig so manchen Kilometer so heftig in die Pedale, dass so manch zweibeiniger Besucher nicht nur wegen uns zwei anderen verwundert die Augen rieb.
Auch zum Samstag kamen noch viele Besucher und viele Unterstützer und Prothesen-Demonstratoren  von anderen Messe-Ausstellern halfen uns sowohl moralisch als auch tatkräftig in großen Schritten der 1.000-Km-Marke näher zu kommen.
Gegen 14:45 am Samstag besetzten dann Ronny & ich wieder die zwei Spinning-Bikes und die letzten 3km wurden live via Instagram übertragen. Gut, wir haben 1.002km draus gemacht.
Glücklich es geschafft zu haben, die Ziellinie tatsächlich noch vor der angepeilten Zeit erreicht zu haben, gönnten wir uns noch auf der Messe ein alkoholfreies Siegerbierchen.

Zusätzlich zu den von den Messebesuchern gespendeten Euro in unser Einhorn, rundeten Thomas Kipping, seines Zeichens Chef und Geschäftsführer von APT – Prothesen und Marwig Blechschmidt, ebenfalls ein sehr sympathischer, super motivierender Mitarbeiter im Team von APT, den Einhornspendenbetrag auf glatte 250€, dass am Ende je 125,- € an die Deutsche Kinderkrebsstiftung und die Gesellschaft für Muskelerkrankung e.V. überwiesen werden konnten.

Rundherum ein äußerst gelungenes  „erstes Mal“ : Sowohl die die Aktion an sich als auch der erste Messe-Auftritt für APT, das „Stehaufmännchen“ & die DKS. Und mit Sicherheit nicht das letzte Mal.

Oli

Das Team von APT-Prothesen und die Fahrer:
Ronny Schöniger
Maximillian Schwarzhuber
Lars Wurst
Oliver Stitterich

Bedanken sich bei
ÖSSUR, Endolite, Otto-Bock, TEUFEL Int., CeKoon-ProthesenCovers& PK Fit für die Unterstützung!

Oliver Stitterich