Ich, mein Rad und der Berg - unser Teamfahrer und 24-Stunden von Kehlheim-Sieger beim "Everesting"

Es gibt ja in dieser besonderen Zeit keine Radrennen. Da habe ich mir überlegt, wie ich mein absolviertes Wintertraining irgendwie in eine Herausforderung packen kann. Da fiel mir das Werbeplakat vom “Everesting” ein, das ich letztes Jahr auf einer Charity-Veranstaltung gesehen hatte.  

Einen Anstieg so oft hochfahren, bis die Höhe des Mount Everest erreicht ist, sprich 8848 Meter. Das ganze am Stück, mit nur kurzen Verpflegungspausen und ohne Schlaf! 

Ein passender Anstieg war schnell gefunden. Ab Kreisel Rönkhausen hinauf zum Abzweig Skigebiet “Wilde Wiese”. Pro Auffahrt 6km mit 270hm.  

Als eingespieltes Team richtete meine Frau Sabine am höchsten Punkt den Verpflegungsposten für mich ein. 

So ging es am Sonntag, den 24.05. um genau 5 Uhr 47 vom Kreisel aus zur ersten Auffahrt los. Erst noch ein paar Häuser, danach nur noch Wald. Es ist noch etwas frisch aber zum Glück trocken. Die ersten “Runden” laufen super. Ich habe einen guten Rhythmus gefunden. Das einzige was “böse” ist, ist der Duft von Frischgebackenem, der jede Runde aus der Bäckerei am Kreisel in meiner Nase landet. Unwiderstehlich! Aber ich bleibe hart und halte mich an meinen zurechtgelegten Essensplan. Dieser besteht hauptsächlich aus Gels und Riegel von Sponser, etwas Nudelsuppe und zwischendurch mal ein Snickers. 

 

So gegen Mittag bemerke ich unten im Ort die ersten Einwohner, die auf mich zeigten. Vermutlich ist ihnen aufgefallen, dass ich der verrückte Radfahrer bin, der schon seit heute Morgen hier ständig hoch und runterfährt. War schon lustig, in die verwirrten Gesichter zu blicken. 

 

Immer noch läuft alles perfekt, gute Beine, Verpflegung passt und das Wetter hält sich auch noch. Gewöhnungsbedürftig ist nur die “Einsamkeit”. Keine Mitstreiter und keine Zuschauer die anfeuern, wie bei den klassischen Radrennen. Habe wenigstens Musik auf den Ohren, die etwas ablenkt und aufmuntert. Bei Sabine am Verpflegungsposten sieht es auch nicht besser aus. Kein Mensch, weit und breit. Aber wir wussten ja vorher, woraus wir uns da einlassen. 

So gegen 16 Uhr kam der vorhergesagte Wetterumschwung und es sollte leider bis zum Schluss so bleiben! Regen, Wind mit starken Böen und nur noch ekelige 9 Grad Celsius. Sogar die Höhenmessung hat ab da verrückt gespielt. Jetzt immer schön bei der Abfahrt aufpassen, dass nicht passiert. Starke Windböen kommen von der Seite, die mir volle Konzentration abverlangen. Nach so vielen Stunden, mit nur kurzen Stopps von unter einer Minute nicht immer so einfach. Aber egal...immer weiter....das Ziel muss erreicht werden.

Mittlerweile ist es schon Abend geworden, ich kämpfe mich immer noch durch das schlechte Wetter. Unten im Ort bekomme ich noch von zwei Leuten nette “Daumen hoch”, worüber ich mich wirklich sehr freue. 

Dann ist es endlich soweit:  

22 Uhr 05! Meine letzte “Runde”, die 34. Auffahrt! Das Gefühl ist unbeschreiblich!! Sabine ist zuvor schon runter zum Kreisel gefahren um mich dort nach meiner letzten Abfahrt in Empfang zu nehmen. 

Um 22 Uhr 36 bin ich bei ihr. Dort, wo viele Stunden zuvor der Wahnsinn begonnen hat. Es war schon hart für mich, hat aber trotzdem oder gerade deswegen Spaß gemacht. Es ist immer wieder ein tolles Gefühl, seine gesetzten Ziele erreicht zu haben! 

 

417 km  

9180 hm 

16 Stunden 51 Minuten 

Mal schauen was mir sonst noch so in den Sinn kommt......😊