Ötztaler Radmarathon

Bericht von Marcel Hartmann:

 

 

Der Ötztaler an sich  - ein Rennen – ein Mythos – ein Höhepunkt eines jeden Radsportlers in der Saison.  Insgesamt müssen 238km und 5500Hm bewältigt werden.  Der Ötztaler Radmarathon ist sicherlich ein Rennen, das es kein zweites Mal in Europa in dieser Form gibt.

 

Bereits zum 5.Mal hatte ich die Möglichkeit, dieses Rennen zu fahren. Mit mir standen zwei weitere Teamkameraden am Start: Björn Fischer und Simon Richers.

 

 

Die Prognose für das Wetter für den Marathon war im Vorfeld eher bescheiden. Zudem kam noch der Felssturz am Kühtai, sodass die Strecke kurzfristig verlängert wurde und wir über den Haimingersattel das Kühtai hoch mussten. Ein neuer, schwierigerer und längerer Anstieg. Ab diesem Zeitpunkt war schon mal klar, dass die persönliche Bestzeit durch die neue Strecke hinfällig war.

 

 

Der Wecker klingelte bei mir um 4:1 5Uhr. Frühstück schnell rein und dann zum Start fahren. Ich hatte nicht direkt in Sölden gewohnt, daher die 10km lange Anfahrt bis zum Start. Um 5.25Uhr stand ich im Startblock. Der Start war um 6.30Uhr. Es waren 5 Grad. Ich hatte mir am Vortag noch eine Jacke gekauft, die ich an diesem Morgen auch dringend gebraucht hatte. Nach einer Stunde Wartezeit dann endlich der Startschuss.

 

Auf der Abfahrt zu Beginn wurde es natürlich nicht wärmer. Nach ca. 50min in Haiming angekommen kam dann endlich der erste Anstieg des Tages. Es ging los und der Puls schnellte nach oben. Die ersten 5km mit über 11% im Schnitt waren schon mal ein ordentlicher Auftakt.  Ich versuchte meinen Rhythmus zu finden und den ersten Anstieg eher locker zu fahren, der Tag sollte ja lang werden.

 

Oben angekommen, kurz verpflegt und weiter in die Abfahrt. Ein guter Abfahrer werde ich nie werden, aber irgendwie kam ich unten an. Zu Beginn des Brenners war ich kurze Zeit auf mich alleine gestellt. Kurze Zeit später kam eine Gruppe, mit der es relativ gut rollte. Auf dem Brenner gab es die nächste Labestation, an der ich dringend meine Flaschen füllen musste.  Aufgrund von Corona hieß es: absteigen, Rad abstellen, zur Labestation laufen und dann die Maske aufsetzen. Etwas mühselig diese Labestationen, aber natürlich auch verständlich. Nach der Verpflegung ging es bergab nach Sterzing, wo der Jaufenpass auf uns wartete. Ein relativ gleichmäßiger Anstieg über ca. 17km mit 7%. Die ersten 600 Höhenmeter rollten noch ganz gut. Der Rest des Anstiegs war einfach ein Kampf. Ich war eigentlich schon völlig durch zu dieser Zeit und kämpfte mich wieder zur Labestation. In der Abfahrt nach Sankt Leonhard habe ich noch schnell einen Riegel und ein Gel zu mir genommen. Unten angekommen hieß der Endgegner des heutigen Tages: Timmelsjoch.  Ein ca. 27km langer Anstieg mit 1750 Höhenmetern und sehr unrhythmischen Steigungsprozenten. Ich habe es irgendwie an diesem Tag hoch geschafft, wenn auch nicht besonders schnell.  Zufrieden oben angekommen nahm ich die letzte Abfahrt nach Sölden in den Angriff. Nach 9:49h im Ziel angekommen war ich natürlich deutlich über meiner Bestzeit von knapp über 8h, aber dennoch mit dem Tag irgendwie zufrieden. Es war einfach nicht mehr drin an diesem Tag. Die längere Strecke, das kalte Wetter hatten mir frühzeitig die Kräfte geraubt. Die letzten Stunden im Rennen waren eine Qual. Mein dreijähriger Sohn war überglücklich mich im Ziel endlich zu sehen, da konnte ich schnell das Rennen und die Schmerzen vergessen. 

 

Jetzt heißt es ein paar Tage Ruhe, bevor das nächste und wahrscheinlich letzte Highlight der Saison ansteht: der Riderman im Schwarzwald.

 

 

Grüße

 

Marcel