Sparkassen Münsterland Giro 135km

Bericht von Benedickt Beck:

 

 

Es war soweit, ein letztes Mal in die Schlacht für diese Saison. Die Wettervorhersage der letzten Tage hatte es schon angekündigt, aber irgendwie hatte sicher jeder noch gehofft, dass sich vielleicht nochmal etwas ändert. Als ich dann morgens aufwachte und aus dem Fenster schaute, war aber sofort klar: heute bleibt sicher niemand trocken. Blieb also nur noch die Frage was man hier am besten anzieht. Ich hab mich letztlich für ein langes Regentrikot und Beinlinge entschieden, was sich im Nachhinein als eine gute Wahl herausstellen sollte.

Am Start haben wir noch ein bisschen die Taktik besprochen: Nach 20km kommt ein Anstieg, da müssen wir vorne sein und dann mit aller Gewalt versuchen, das Feld zu zerreißen, um mit einer Gruppe weg zu kommen.

 

 

 

Die ersten paar Kilometer aus Münster raus waren zwar nicht wirklich anstrengend, aber alle waren sehr nervös und die nassen Straßen machten es extrem gefährlich. Moritz entschied sich deshalb dafür nach etwa 1000 m mit einem gekonnten Antritt, die nassen Straßen in einer Solofluch allein zu testen. Nach etwa 15 Kilometer wurde die Flucht beendet und das Feld stellte Moritz wieder. Anschließend attackierte gerade der groß angekündigte Weltmeister (Ich weiß gar nicht in was eigentlich ;) ) und ohne groß drüber nachzudenken bin ich halt mal mit gefahren, obwohl ich vorne ziemlich hart durch die Führung gegangen bin, hatte uns das Feld sofort wieder eingeholt. Schnell wurden wir durchgereicht und als es um die nächste Kurve ging fiel mir wieder ein was ich bei der Aktion vergessen hatte. Vor dem ersten richtigen Anstieg kam noch ein kleinerer. Leider wurde auch der schon voll am Anschlag gefahren, sodass ich nach meiner „kleinen Vorbelastung“ schon an meine Grenze stieß, um mit der Gruppe oben über die Kuppe zu kommen. Als wir den zweiten Anstieg erreichten, war nicht mehr an attackieren zu denken, ich fiel immer weiter nach hinten und letztlich aus dem Feld vorne raus. Somit waren leider nur noch Oli und Lukas in der ersten Gruppe, da Felix ebenfalls den Anschluss verloren hatte. Meine Lunge brannte und meine Beine krampften; ich wusste hier und jetzt ist es für mich vorbei. Ich habs verkackt! Was hab ich mir auch nur dabei gedacht, wieso sollte ich in einer Zweiergruppe weg fahren. Das konnte gar nicht klappen. Als ich schon alle Hoffnung verloren hatte und Moritz mich von hinten überholte meinte ich nur: Naja dann fahren wir beide das jetzt wohl zusammen zu Ende. Aber da hatte Moritz ganz andere Pläne. Nach einem etwas verwunderten "Was machst du denn hier?" brachte sich der Junge in Position und fuhr ohne auch nur einmal um Hilfe zu bitten von vorne. Wir sammelten immer mehr Leute ein -darunter auch die Gruppe in der Felix über den Berg gekommen war, aber bei Moritz Tempo waren nur die wenigsten noch in der Lage dran zu bleiben. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, aber Moritz hat das Unmögliche möglich gemacht und wir haben tatsächlich die Gruppe vorne wieder eingeholt. Meine Situation hat sich mit so einer Aktion aber natürlich nicht verbessert. Meine Beine waren immer noch völlig unbrauchbar und in den technischen Abfahrten verlor ich immer wieder den Anschluss ans Feld, da ich die Kurven recht konservativ fuhr, nachdem ich etliche gesehen hatte, die in den Kurven geradeaus gefahren sind. Einer hatte sich so krass verschätzt, dass er etwa 100m weit, völlig hilflos in einem Feld stand als ich an ihm vorbeikam. So musste ich dann aber immer wieder zum Feld sprinten oder hoffen, dass noch jemand von hinten kommt und mich „mitnimmt.

 

Doch dann wurde es plötzlich langsam. Vorne war wohl eine Gruppe weg in der alle großen Teams -bis auf uns- einen Fahrer platzieren konnten und  die übrigen hatten sich wohl damit abgefunden, dass wir diese Gruppe nicht mehr einholen würden. Lukas und Oli versuchten zwar vorne etwas Tempo in die Gruppe zu bringen, aber es war wirklich niemand davon zu überzeugen noch weiter zu fahren und so kam Oli irgendwann wieder nach hinten an mir vorbei mit den Worten: Jede Kaffeefahrt mit Karsten ist härter als das hier. Aber mir sollte es recht sein. Ich hatte endlich mal Gelegenheit ein Gel zu essen, was zu trinken und meine Beine wieder etwas aufzulockern.

 

Es haben zwar immer wieder einzelne versucht, weg zu kommen, aber die anderen Teams kontrollierten das gekonnt und so hatte erstmal niemand eine Chance zu entkommen. Als mal wieder zwei vorne weg waren und ihr Glück versuchten fuhr Felix los um sich ihnen anzuschließen. Die beiden vorne hatten schon gut 200m Vorsprung, sodass Felix auf jeden Fall Hilfe brauchen würde und als mein Vordermann ansetzte, um zu Felix zu sprinten, wusste ich: Jetzt oder nie. Wir erreichten Felix und fingen sofort an zusammenzuarbeiten. Obwohl Felix zum Leid des Dritten im Bunde an den Anstiege voll drauftrat, kamen wir den andern beiden vorne nur unwesentlich näher. Wir hätten die beiden eigentlich schon längst erreichen müssen, wenn wir eine realistische Chancen haben wollten durchzukommen. Aber plötzlich schoss von hinten eine weitere 5er Gruppe an uns vorbei. Die Jungs schienen noch erheblich frischer zu sein und hatten richtig Druck in den Beinen. Und wieder arbeiteten sofort alle zusammen -so gut es eben ging. Den Dritten aus unserer Gruppe verloren wir dann recht schnell, ihn hatte Felix wohl doch etwas zu tief ins Rote gefahren. Das Tempo in der Gruppe war unfassbar hoch und jedes Mal wenn ich durch die Führung musste, tat es ein wenig mehr weh. Als die ersten dann das Tempo nicht mehr mitgehen konnten und versuchten Führungen auszulassen, kamen sofort die Attacken und dadurch wurde es für mich noch viel schmerzhafter jedes Mal wieder die Lücken zu zu sprinten.

 

Oli und Lukas versuchten nun das etwa 30 Mann starke Verfolgerfeld zu kontrollieren und ließen keine weiteren Attacken zu. Der Abstand wurde immer größer, bis die Fluchtgruppe um Felix und mich aus der Sichtweiter der Verfolger geriet.

 

Es waren noch etwa 15 Kilometer und meine Beine fingen schon wieder an zu krampfen, aber ich konnte jetzt nicht aufhören, nicht nachdem was Moritz für mich geleistet hatte. Zähne zusammenbeißen und hoffen, dass die Beine nicht komplett dicht machen. Wir waren so schnell, dass wir die Spitzengruppe auf den Geraden schon wieder in Sicht hatten. Und dann waren es plötzlich nur noch drei Kilometer. Ich hoffte ich könnte jetzt niemals noch einen anständigen Sprint fahren also hielt ich mich hinten in der Gruhoffte darauf, ein gutes Hinterrad zu finden, dass mich mit minimalem Kraftaufwand weit vorne über die Linie bringt. Das funktionierte auch erstaunlich gut nur leider ging dem Fahrer vor mir dann 100 Meter vor der Linie die Luft aus und ich hatte gar nichts mehr übrig, um selber noch weiter zu sprinten und so wurde ich insgesamt 9. einen Platz vor Felix. Die Spitzengruppe hätten wir tatsächlich fast noch eingeholt, sie sind nur 5 Sekunden vor uns über die Linie gekommen.

 

Etwa 2 min später kam das Verfolgerfeld mit Lukas und Oli ins Ziel welche sich im Zielsprint mit Platz 20 und 21 nur knapp Team Strassacker geschlagen geben mussten.

 

Mit 4 Platzierungen in den Top 25 können wir sehr zufrieden sein, denn insgesamt war es trotz der widrigen Wetterverhältnisse ein geiles Event, wobei ich mir das Leben wohl erheblich schwerer und schmerzhafter gemacht habe als es hätte sein müssen.