GCC Tour d'Energie Göttingen - lange Distanz

Bericht von Benedikt Beck, Bildquelle Team DKS und Sportograf:

Neues Jahr, neues Glück: Das erste Rennen des Jahres bringt uns nach Göttingen. Es stehen 100 km mit 1000 hm auf dem Programm. Die Wettervorhersage ist zwar soweit ganz gut, es soll aber ein starker Wind gehen und so wird sich am Tag vor dem Rennen der Kopf darüber zerbrochen was das wohl für Auswirkungen haben wird. Die Ansage der sportlichen Leitung ist dann letztlich, dass die Beine geschont werden bis wir an die entscheidenden beiden Anstiege kommen und die großen Teams ihre starken Fahrer versuchen auf die Reise zu schicken.

 

Nach einem entspannten Frühstück geht’s aus dem Hotel zum Start. Ich stehe zufällig genau neben einem der wichtigen Fahrer aus den anderen Teams und so quatschen wir noch echt nett die letzten 15 Minuten vor dem Start. Schon verrückt, dass man sich so nett unterhält und wir beide wissen, dass wir uns wahrscheinlich gleich gegenseitig ziemlich quälen werden.

 

Dann ist es soweit, der Startschuss fällt und wir rollen neutralisiert aus Göttingen heraus. Vor allem zu Beginn habe ich zwar das Gefühl, dass die Mitfahrenden um mich herum etwas achtsamer und vorsichtiger sind als in den letzten Jahren, dennoch wird das Rennen leider von etlichen Stürzen übersät sein. Ich versuche mich bestmöglich zu konzentrieren und die Balance zwischen Energiesparen und Risikominimierung zu finden.

 

So fahren wir erstmal recht entspannt vor uns hin, bis wir bei Kilometer 50 den ersten der beiden richtigen Anstiege erreichen. Strassacker, die bis jetzt schon fast alles von vorne gefahren sind, fahren auch den Anstieg mit einigen Jungs von vorne. Das Tempo ist aber recht entspannt und so dauert es nicht lange bis die ersten von hinten über den Zug von Strassacker attackieren. Ich halte mich an den besprochenen Plan und fahre hinter dem Strassacker Zug her solange kein entscheidender Fahrer im Angriff vertreten ist. Die Jungs von Strassacker bleiben ganz cool und fahren ihr Tempo weiter; Das macht sich bezahlt und die Ausreißer werden schnell wieder gestellt. Und dann ist der erste Anstieg auch plötzlich schon vorbei.

Auf dem Weg zum letzten großen Anstieg biegen wir auf einen engen asphaltierten Feldweg ab. Plötzlich geht eine Gruppe die voll von Strassacker Fahrern ist und der Rest vom Team blockiert die Straße. Es brechen sofort wilde Diskussionen und fast eine kleine Rangelei darüber aus, ob das eine fairer Aktion ist. In einem unachtsamen Moment schlüpfe ich mit dem Kapitän von Leeze durch die Sperre und wir fahren zusammen zur Gruppe vorne auf. Ich habe zwar mit Moritz einen weiteren Fahrer aus unserem Team in der Gruppe, aber sowohl er als auch die anderen Fahrer der Gruppe habe nicht mehr genug Druck weiter zu fahren und so werden wir recht schnell wieder gestellt.

 

Sicher hab ich hier ein paar unnötige Körner gelassen, aber gleichzeitig bin ich so sehr gut positioniert für den Anstieg der jetzt kommt. Es geht um eine enge Kurve und plötzlich wird es richtig steil. Strassacker hat wieder das ganze Team an die Spitze gebracht und fahren mit Vollgas in den Anstieg rein. Nach und nach verbrennen sie ihre Fahrer die der Reihe nach abfallen bis nur noch 2 Strassacker Fahrer übrig sind. Ich bin direkt hinter ihnen an dritter Position und mache ihnen klar, dass ich nicht mit ihnen fahren werde und so wechseln sich die beiden vorne ab. Ich habe am Anfang des Anstiegs keine Runde abgedruckt und weiß daher nicht wie lang der Anstieg noch ist, aber langsam bin ich am Limit. Ich könnte zwar sicherlich noch ein paar Meter weiter fahren, aber dann würde ich komplett platzen und gar nicht mehr weiter kommen. Also entscheide ich lieber jetzt raus zu nehmen, die beiden vorne fahren zu lassen und hoffentlich noch mit einer guten Gruppe über den Berg zu kommen.

 

Eigentlich rechne ich damit, dass von hinten sofort andere Fahrer überholen als ich die Lücke reißen lassen aber die Jungs hinter mir leiden wohl auch schon ziemlich und so fahre ich erst noch ein wenig vorne bis dann langsam ein paar Fahrer vorbei fahren. Lang ist der Anstieg nicht mehr gewesen und wir kommen hinter den beiden Ausreißen mit etwa sechs Fahrern über den Anstieg -darunter auch Felix aus unserem Team. Leider sind die Abfahrkünste meiner Begleiter derart ausbaufähig, dass wir am Ende der Abfahrt schon wieder von weiteren 20 Fahrern eingeholt sind, darunter aber auch Oli. Es sind noch etwa 20 km ins Ziel und es ist sofort klar, dass wir mit der Verfolgung nicht warten dürfen, wenn wir die beiden nochmal einholen wollen. Einerseits blockieren die verbleibenden Strassacker Fahrer die Verfolgung immer wieder und andererseits versuchen die meisten Fahrer der Gruppe auch nurnoch mit den letzten Kräften dran zu bleiben und denken gar nicht daran Führungsarbeit zu leisten. Zu dem Zeitpunkt fällt dann leider auch noch Felix mit Krämpfen aus und ich bin mit Oli allein in der Gruppe.

 

Wir haben zwischenzeitlich 30 Sekunden Rückstand, aber nach und nach erholen sich alle Fahrer aus der Gruppe ein wenig. Es gehen jetzt immer wieder Angriffe vorne aus unsere Gruppe raus und die verbleibenden Strassacker-Fahrer machen den Fehler alle Angriffe sofort wieder zurück zu holen, nur damit direkt wieder die nächste Attacke kommt und so ist das Tempo der Gruppe wieder recht hoch.

 

Wir holen einen der Strassacker-Fahrer wieder ein und ich spreche mit Oli ab, dass er für mich den Sprint anfahren wird. Vielleicht haben wir beide auch einfach alle Schilder übersehen oder es gab einfach keine, aber das erste Schild mit der verbleibenden Distanz ist das 300m-Schild. Oli ist da gerade hinter mir und so entscheide ich einfach rein zu halten und zu hoffen, dass ich ein gutes Hinterrad finde. Tatsächlich werde ich recht lange im Windschatten gezogen und kann noch etliche Fahrer überholen. Am Ende stellt sich raus, dass der zweiter Ausreißer mit einem technischen Defekt aussteigen musste und wir somit sogar den Sprint um den Sieg mitgefahren sind. So werde ich noch insgesamt sechster und gewinne meine Altersklasse und Oli insgesamt achter, was für uns beide sicherlich ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis ist, wobei wir vielleicht auch noch etwas mehr hätten raus holen können, wenn wir den Sprint etwas besser koordiniert hätten.