Frankfurt-Eschborn - 100km-Distanz

Bericht von Benjamin Niemayer und Alexander Müller:

 

 

Am Wochenende standen wir mit „kleiner Delegation“ beim Radklassiker Eschborn-Frankfurt am Start, um unser Team zu vertreten. Alex, Björn, Pierre, Marcel, Markus und meine Wenigkeit hatten sich im ersten Startblock versammelt um unsere Teamfarben im Rennen zu repräsentieren.

Bei ziemlich frischen Temperaturen und gemischten Gefühlen (die Einen hatten ein gutes Frühstück, die anderen nicht) wurde dem Start entgegengefiebert. Geplant war für alle die lange Distanz, Marcel und Markus wollten ihr bestes auf der kurzen geben. Wie in Eschborn üblich machten wir uns aber alle gemeinsam auf den Weg.

 

Und da war es auch schon so weit: Der Startschuss fiel und das riesige Feld machte sich auf Richtung Frankfurt und es ging sofort „heiß her“. Strassacker, die mit einem sehr großen Aufgebot angereist waren, waren sofort an der Spitze zu sehen und so ging es ohne jegliches Vorgeplänkel sofort mit Volldampf los. Auf der leicht abschüssigen Autobahn in die Stadt wurde ein hohes Tempo angeschlagen, doch ähnlich wie in Göttingen eine Woche zuvor war es sehr unruhig. Ich fuhr ein kleines Stück hinter der Spitze und jede Menge Fahrer rollten bereits hier mit Defekten & Reifenschäden aus.

 

Auch Alex wurde leider schon von einem technischen Defekt geplagt der in bereits nach 10km das erste Mal zum Absteigen zwang. Eine rutschende Sattelstütze hieß leider den Verlust der Gruppe aus Block A. Direkt zwei Kilometer weiter war es nochmal nötig die Sattelstütze nachzuziehen und die Hoffnungen auf eine gute Platzierung schwanden. Aufgeben war aber keine Option und so wurde weiter gekämpft.

 

In der Frankfurter Innenstadt wurde es dann noch ein Stückchen hektischer. Jede Menge Engstellen und Verkehrsinseln gepaart mit dicht aufeinander folgenden 90° Kurven sorgten für hitzige (teils unnötige) Positionskämpfe, die ein oder andere brenzlige Situation und natürlich war es immer wieder nötig nach jeder Kurve voll anzutreten um an der Spitze dran zu bleiben. Leider gab es auch einige Stürze die mich zweimal zum kompletten Anhalten zwangen (gute Besserung an alle Betroffenen an dieser Stelle). Hier war allerdings glücklicherweise beide Male Markus zur Stelle, der ganz stark die Lücke zu gefahren hat und mich im Windschatten mitgezogen hat (Danke dafür!!).
Bis nach Oberursel hatte sich das Peloton dann schon recht deutlich verkleinert und es ging auf in Richtung Feldberg.
Dort gab es dann das zu erwartende Bild dass jeder seinen Stiefel hoch fuhr und so fuhren die starken (Berg-)fahrer vorn weg und ich fand mich in einer zweiten großen Gruppe wieder. Den allergrößten Teil des Anstieges blieben wir in Sichtweite, kam teilweise sogar nochmal näher an die Gruppe ran, fuhren dann letztendlich aber mit doch schon knapp 2 Minuten Rückstand über die Kuppe.

 

Alex hatte das Glück sich am Feldberg an eine gut funktionierende Gruppe der Scuderia Rosetti anschließen zu können und konnte so zügig hoch fahren um sich kurz vor der Kuppe Verpflegung von Björn abzuholen.

 

Die Abfahrt vom Feldberg mit den drei Gegenanstiegen fuhren wir dann zusammen in der Gruppe, wobei mir persönlich das Tempo sowohl in der Abfahrt, als auch in den kurzen Anstiegen etwas zu niedrig war. Bei drei/vier Versuchen vorn raus zu fahren wollte allerdings niemand mit gehen und zum Alleine fahren war das Tempo dann doch etwas zu hoch.
Im „Flachstück“ vor der zweiten Streckentrennung kam dann allerdings die vor uns fahrende Gruppe am Horizont ins Blickfeld und plötzlich kam Motivation in meine Mitfahrer. Einige Mitfahrer haben sich mitreißen lassen und so habe ich zwar viele Körner raus geschmissen, wir konnten die Lücke aber bis kurz vor der Streckenteilung schließen.

 

Alex musste ein großes Stück dieser Passage alleine fahren und kam ordentlich verärgert über seine Sattelstütze an der Streckenteilung an. Aber auch hier: selbst wenn die Möglichkeit des Abkürzens lockte wurde auf die 100km Schleife abgebogen (natürlich nicht ohne vorher erneut den Sattel fest zu ziehen 😉).

 


Als „Lohn“ dafür konnten wir dann in der Gruppe mitrollen und nochmal durchschnaufen vor dem Mammolshain. Dort schmiss dann jemand an der Spitze zur Gruppe direkt zum Einstieg der Steigung seine Kette ab und brachte nahezu alle aus dem Tritt. Bis zum Stich am Steinbruch waren alle wieder auf der Höhe und hatten tatsächlich noch genügend Kraft zum fluchen 😉 Auch ich kam die im Schnitt fast 17% steile Rampe getragen von der Topp-Unterstützung und den Anfeuerungsrufen der zahlreichen Zuschauer erstaunlich gut hoch und war überglücklich oben angekommen zu sein.
Dabei habe ich aber irgendwie aus dem Kopf verloren, dass nach der Rampe noch circa 1,5km Anstieg kommen. Ich war in einer kleinen vorderen Gruppe dabei und so hieß es weiter quälen doch geschätzt 300m vor der Kuppe habe ich dann das Parkticket gezogen und konnte nicht mehr bei meinen Mitfahrern bleiben. So musste ich dann meine ursprüngliche Gruppe an der Kuppe aufholen lassen und gemeinsam ging es in die Abfahrt. Als es dann für die letzten Kilometer wieder flacher wurde war ich dann aber auch schon genug Bus gefahren und es hieß noch Tempo machen bis ins Ziel. Meine Mitfahrer waren allerdings anscheinend auch ganz schön müde (oder sie wollten nicht mitfahren) und so rollten wir zwar zügig, aber ohne die allerletzte Konsequenz Richtung Ziellinie.

 

Diese kam zu meiner Überraschung deutlich knapper hinter der letzten Kurve als gedacht und so konnte ich zwar noch ein paar Plätze nach vorn sprinten, kam aber letztlich in der Gruppe ins Ziel.
Zu meiner Freude verriet mir dort mein Garmin eine FTP Steigerung um knapp 10% und auch mit einem 77ten Gesamtplatz bin ich insgesamt zufrieden auch wenn mir nur 50Sek zu den Top 50 fehlten.

 

Die zusätzliche Schleife lief dann auch für Alex ganz gut:

 

„Es lief sehr gut an und ich konnte gut pushen. Dann kam der Abzweig ins Steilstück. Ich war in der Mitte der Fahrbahn als der Kollege vor mir meinte sich mal auszuklicken weil er nach seiner Aussage nicht mehr konnte. Die Situation war etwas brenzlig, da ich fast auch anhalten musste.

 

Nach dem Anstieg ein kurzer Blick auf die Uhr und ich konnte wenigstens jetzt in den Abfahrten so hart beschleunigen, dass ich noch mein Ziel von unter 3 Stunden erreichen konnte. Wie schon anfangs beschrieben, das Rennen war für mich eh gelaufen. Die Platzierung am Ende des Tages nicht der Rede wert. Platz 482 Gesamt AK 100.Ohne technischen Defekt mit Sicherheit irgendwo 10-12Minuten schneller.“

 


Marcel und Marcus konnten auf der kurzen Distanz hinter dem Dreifach-Sieg der Haberich Cycling Crew stark die Plätze 6 und 7 erringen.
Pierre hatte während des Rennens leider mit Krämpfen zu kämpfen und ist auf die mittlere Distanz ausgewichen, konnte da dann aber einen sehr starken Platz 9 einfahren.

 

Alex hatte unterwegs Probleme mit seiner Sattelstütze und musste drei Reperaturstopps einlegen, konnte aber trotzdem noch auf Platz 482 der langen Distanz fahren.

 

Björn ist kurzfristig für Philipp eingesprungen und komplettiert unser Ergebnis mit Gesamtplatz 2034 auf der langen Distanz.

In knapp 3 Wochen geht es auf nach Köln und bei unserem „Heimrennen“ wollen wir wieder Akzente setzen 😉