Rund um Köln - 125km

Bericht von Juliane Matzke:

 

Sonntagmorgen 5:30Uhr, auf gehts nach Köln. Die Vorfreude war groß und trotz des schlechten Wetters der vergangenen Tage, war Sonnencreme-Wetter angesagt.

 

Alex hat bereits am Vortag die Startunterlagen abgeholt, sodass wir nach der Ankunft in Köln nur noch die Räder und Trikots vorbereiten mussten. Noch fix ein schönes Gruppenfoto gemacht und ab ging es in den Startblock. Man will ja so weit wie möglich vorne stehen. Dann hieß es warten, ein paar Bekannten „Hallo sagen“ und grübeln, wie es wohl heute laufen wird. Die Nervosität stieg, bis endlich der erlösende Startschuss fiel und ab ging die Post.

 

Der Start war sehr hektisch, so dass man den ersten Stürzen ausweichen musste. Es hieß also schön konzentrieren und möglichst lang mit der Spitzengruppe mitfahren. Meine beiden Edelhelfer Marcus & Pierre waren immer bei mir und konnten mir in brenzlichen Situationen super helfen. Dank derer Hilfe konnte ich mich voll auf das gelbe Trikot und Franziska konzentrieren. Nach 22 Kilometern ging es in den ersten längeren Anstieg. Nun hieß es Zähne zusammenbeißen und irgendwie versuchen an der Gruppe zu bleiben. Danach gab es gar nicht viel Zeit sich auszuruhen und somit wartete die Rampe in Sand schon auf uns. Irgendwie fühlte sich der Anstieg im Rennen deutlich länger an als letzte Woche beim Recon, doch wusste ich so, was mich erwartet. Der weitere Verlauf war erst einmal unspektakulär, so sind wir geschlossen zum Schloss Bensberg über das Kopfsteinpflaster gefahren und haben uns gemeinschaftlich in die Abfahrt gestürzt. Darauf folgten Forsbach und wieder eine Abfahrt. Diese Zeit habe ich zur Erholung genutzt, wohl wissend welche Anstiege mich noch erwarten. Von Hoffnungsthal ging es aufwärts nach Heiligenhaus. Anschließend kam die Abfahrt nach Overath, welche direkt in die steile Rampe nach Kotten überging. Dieser “Wellige“ Abschnitt hat mich doch einige Körner gekostet und meine Oberschenkel fingen genau passend zum Anstieg nach Bärbroich (nach ca. 85 Kilometern) an zu krampfen. Also schnell noch ein Gel mit viel Wasser runtergespült, etwas Druck raus und versucht nicht komplett einzugehen. Aller Anschein nach hatte die Konkurrenz auch mit Problemen zu kämpfen, denn angreifen wollte nun niemand mehr. Nun ging es wieder in eine lange und wohltuende Abfahrt, doch wusste ich das die Rampe von Sand und das Kopfsteinpflaster hinauf zum Schloss Bensberg noch ein weiteres Mal auf mich warten. Meinen Plan in Bensberg anzugreifen konnte ich in die Tonne hauen und ich habe nur gehofft das Carmen hier nicht angreift. Im Forstbacher Wald sind wir auf eine Gruppe aufgefahren, aus der eine bekannte Stimme mich angefeuert hat. Super nun waren Pierre, Markus und Christopher für mich da und konnten so das Finale vorbereiten. Auf den verbleiben 10 Kilometern haben Pierre und Marcus abwechselnd das Tempo so hochgehalten, dass die Gruppe in eine einer Reihe gezwungen wurde. Christopher hat mir währenddessen mein Hinterrad freigehalten, so dass ich mich nur auf den Windschatten konzentrieren musste und keinen Positionskämpfen ausgesetzt war. Die letzten Kilometer vergingen wie im Flug, bis wir ca. 3,5 Kilometer vor dem Ziel von der Polizei fehlgeleitet wurden und auf eine nicht abgesperrte Straße gefahren sind. Marcus wollte gerade richtig aufdrehen, als wir plötzlich bemerkt haben das hier irgendwas nicht stimmen kann. Autos fuhren auf die Straße und wurden von den Ordnern sogar durchgewunken. Es wurde hektisch und es kam, wie es kommen musste. Marcus stürzte direkt vor mir und ich kam irgendwie, auch Dank meines großartigen Cannondale Super Six, zum Stehen.

 

An dieser Stelle möchte ich dir, Marcus, noch eine gute Besserung wünschen und freue mich schon darauf bald wieder ein Rennen mit dir zu fahren.

Ich habe aufgeguckt und sah wie Carmen und jegliche Chance auf ein Podium gerade auf der anderen Straßenseite an mir vorbeifuhren.

 

So eine Scheiße! Ich war nur noch wütend. Bis mich die Rufe von Christopher wieder ins Rennen geholt haben. GIB GAS JULI! Also alles was geht in die Pedale gezimmert und versucht irgendwie in Christophers Windschatten zu bleiben. Das Tempo kletterte teilweise auf 50 und sobald ich nicht mehr richtig folgen konnte, hat er etwas rausgenommen. Zielsprint ade… allerdings waren wir nach 1.7 km Verfolgungsjagd und nur noch einem Kilometer zum Ziel tatsächlich wieder da, wo die Musik spielte. Jetzt hieß es gut positionieren und irgendwie schnell um die letzte Rechtskurve kommen. Carmen schafft es perfekt ihren Sprint zu lancieren und auch wenn Christopher noch einmal alles gegeben hat, waren meine Beine zu müde, um noch irgendwie an Ihr vorbeizufahren. So war es ein knappes Finale und ich darf mich nun über einen grandiosen 2.Platz in Köln freuen, auch wenn es diesmal so knapp wie noch nie war.

 

Vielen Dank Pierre und Marcus für eure super wichtige und starke Hilfe!